{"id":25,"date":"2016-08-24T14:30:54","date_gmt":"2016-08-24T14:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.alexanderknickmeier.de\/?p=25"},"modified":"2016-12-27T09:52:19","modified_gmt":"2016-12-27T09:52:19","slug":"mariana-mazzucato-das-kapital-des-staates","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.alexanderknickmeier.de\/?p=25","title":{"rendered":"[Gelesen] Mariana Mazzucato &#8211; Das Kapital des Staates"},"content":{"rendered":"<p>Bis kurz vor der Finanzkrise ab 2007 bestimmte das Narrativ des \u201eschlanken Staates\u201c die (wirtschafts-)politische Debatte in den meisten westlichen Industrienationen. Die \u00f6ffentliche Hand sei prinzipiell nicht in der Lage, vern\u00fcnftige unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Staatliches Handeln habe daher nur bei der wirtschaftspolitischen Rahmensetzung und bei Marktversagen zu erfolgen.<\/p>\n<p>Dem setzt Mariana Mazzucato in ihrem Buch die Vorstellung eines aktiven \u201eUnternehmerstaats\u201c entgegen. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive beschreibt sie Innovationen als Prozesse, die in einem fein verzweigten Netzwerk von staatlichen und privaten Akteuren ablaufen. Anhand von Beispielen aus der Computerindustrie, der Pharmabranche und der Green Tech-Industrie zeigt sie auf, wie der Staat oft die entscheide Kraft in der Entstehung der Technologien spielte, M\u00e4rkte entwickelte und Innovationsrisiken \u00fcbernahm, die von privaten Risikokapitalgebern gemieden wurden. Dabei beschreibt Mazzucato die Bedeutung sowohl angebots- als auch nachfrageorientierter Instrumente der Innovationspolitik und betont den Nutzen eines breit angelegten Mixes, von der Festlegung gesetzlicher Rahmenbedingungen, der langfristigen Bereitstellung von F\u00f6rdergeldern bis hin zur Erzeugung direkter Nachfrage, wie im Bereich der Computerindustrie oder der Photovoltaik durch das Milit\u00e4r und der Raumfahrt geschehen.<\/p>\n<p>Das Verkennen der Rolle des Staates in der Entwicklung vieler High Tech-Branchen erschwere die Partizipation der Allgemeinheit an der Innovationsrendite der neuen Technologien.<\/p>\n<blockquote><p>Viele Probleme (\u2026) r\u00fchren daher, dass die amerikanischen Steuerzahler praktisch keine Vorstellung davon haben, wie ihre Steuern zu Innovationen und Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten beitragen. (\u2026) Damit Wachstum \u201egerechter\u201c und \u201eintegrativer\u201c wird \u2013 und die Gewinne gleichm\u00e4\u00dfig verteilt werden \u2013, m\u00fcssen \u00d6konomen, Politiker und die \u00d6ffentlichkeit besser verstehen, welche Akteure an der grundlegenden Verteilung der Risiken beteiligt sind, ohne die es innovationsgetriebenes Wachstum nicht gibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Annahme, dass eine Innovationsf\u00f6rderung zwangsl\u00e4ufig zu einer besseren Unternehmensentwicklung f\u00fchre, die h\u00f6here Steuereinnahmen br\u00e4chten und die regionale wirtschaftliche Entwicklung vorantrieben, sei sp\u00e4testens durch die Haushaltsschwierigkeiten des Staates Kalifornien widerlegt.<\/p>\n<p>Mazzucatos Forderung nach einer st\u00e4rkeren Beteiligung der Allgemeinheit wird abschlie\u00dfend von ihr \u2013 wenn auch sehr vage \u2013 durch einen Ausblick auf alternative Instrumente in der Innovationsf\u00f6rderung erg\u00e4nzt. Denkbar seien beispielsweise Modelle staatlicher Unternehmensbeteiligungen \u00fcber sogenannte \u201egoldene Aktien\u201c, gewinnabh\u00e4ngige Darlehen nach dem Vorbild von Studienkrediten oder die St\u00e4rkung von Entwicklungsbanken.<\/p>\n<p>In der Zusammenschau gibt Mazzucato mit ihrem Buch einen wichtigen Impuls zur St\u00e4rkung der Rolle des Staates in innovationspolitischen Debatten. Schw\u00e4cher wird ihre Argumentation lediglich, wenn es darum geht, einzelbetriebliche Entwicklungen \u2013 wie bspw. die von Apple oder dem Windkraftanlagen-Hersteller Vestas \u2013 auf Basis staatlicher Interventionen in der Branchen zu erkl\u00e4ren. Hier wird zu leicht \u00fcber die innerbetriebliche Entwicklungen im Einzelfall hinweggegangen.<\/p>\n<p>Weitere Besprechungen des Buches findet Ihr:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/mariana-mazzucato\/das-kapital-des-staates.html\">bei Perlentaucher<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/40\/mariana-mazzucato-staat-wirtschaft\">in der Zeit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/oekonomie-mutig-innovativ-tollkuehn.950.de.html?dram:article_id=294843\">und im Deutschlandfunk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis kurz vor der Finanzkrise ab 2007 bestimmte das Narrativ des \u201eschlanken Staates\u201c die (wirtschafts-)politische Debatte in den meisten westlichen Industrienationen. Die \u00f6ffentliche Hand sei prinzipiell nicht in der Lage, vern\u00fcnftige unternehmerische Entscheidungen zu treffen. 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