Der Kohleausstieg kommt, aber was kommt danach?

In den letzten fünf Jahren wurden in Deutschland 11.000 Megawatt (MW) Kraftwerksleistung stillgelegt, 2021 geht der Kohleausstieg weiter. Anfang Dezember hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse des Ausschreibungsverfahrens zur ersten Welle der Stilllegung veröffentlicht.

Insgesamt 11 Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 4.800 MW wurden für die Abschaltung ausgewählt. Mit 2.800 MW liegen die meisten der Standorte in NRW und meist geht es um Steinkohlekraftwerke, noch nicht um Braunkohle.

Im Rahmen des Kohleausstiegs werden im Ruhrgebiet bis 2038 insgesamt 5.700 MW Leistung an Kohlestrom vom Netz gehen. Die fünf betroffene Standorte (Duisburg, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und der Kreis Unna) verfügen aktuell gerade einmal über 350 MW Erneuerbare. Dramatisch zu wenig für eine Energieregion Ruhrgebiet.

Gleichzeitig ist gerade Wild West am Markt für Windkraft. Es gelingt nicht, genug Projekte anzuschieben, weil potenzielle Standorte mit allen juristischen Mitteln von Bürgerinitiativen verhindert werden, die rechtlichen Hürden zu hoch sind (Stichwort: Abstandsgesetz) oder weil der Netzausbau hinkt. Fertige Windkraft-Projekte sind sofort verkauft, weil viel mehr Nachfrage bei Energieversorgern besteht als neue Anlagen fertig werden.

Vor diesem Hintergrund verläuft die öffentliche Debatte um die Energiewende in die falsche Richtung. Wir streiten auch nach dem beschlossenen Kohleausstieg immer noch darüber, ob es nicht noch schneller gehen kann, obwohl noch niemand eine konkrete Vorstellung hat, wie die benötigten Kapazitäten ans Netz kommen. Hier müssten wir viel schneller Infrastruktur aufbauen und dazu auch mal grundsätzlich diskutieren, wie wir das künftig organisieren wollen. Mit den bisherigen Planungsverfahren und Restriktionen wird das in der gegebenen Zeit unmöglich sein.

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