[gelesen] Johann Holtrop von Rainald Goetz

Als Lesestoff für die Zeit „zwischen den Jahren“ bekam ich das Buch „Johann Holtrop“ von Rainald Goetz geschenkt. Darin wird das Wirken und letztlich der Abstieg von – der Titel sagt es – Johann Holtrop, Vorstandsvorsitzender der fiktiven Assperg AG, einem großen Medienkonzern in der Zeit rund um die DotCom-Blase, beschrieben – in Anlehnung an Thomas Middelhoff bei Bertelsmann.

Besser als ich kann natürlich Iris Radisch den Inhalt zusammenfassen:

Radisch hat recht: Das Buch lebt von der Beschreibung der Machtbeziehungen zwischen den Figuren, die voller gegenseitiger Verachtung miteinander umgehen.

Die Story selbst bleibt dabei trotz aller hektischen Betriebsamkeit der Figuren jedoch relativ ereignisarm. Obwohl dies dem Roman in vielen Rezensionen vorgeworfen wurde, halte ich es für denkbar, dass hier Absicht dahinter steckt und der Widerspruch zwischen der ständigen Jagd der Figuren nach neuen Superlativen und der tatsächlichen Eintönigkeit der provinziellen Firmenstandorte unterstrichen werden soll. Wirklich negativ aufgefallen sind mir auch das – wie Radisch es nennt – „Klappern mit den Hauptfiguren“. Teilweise völlig willkürlich tauchen plötzlich Realfiguren wie Gerhard Schröder kurz auf, wahrscheinlich in einem Versuch, den Zeitgeist der Nuller-Jahre zu unterstreichen. Dies wirkte sehr bemüht. Auch wurde der Absturz und die psychische Krankheit Holztops zu abrupt beschrieben. Da kam ich dann am Ende nicht mehr so ganz mit.

Dennoch ist es ein sehr lesenswertes Buch mit vielen bitterbösen Textpassagen, bei denen man selbst im schlecht gelaunten Pendlerzug ein Grinsen oft nicht unterdrücken kann.

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