Renaturierte Stadtgewässer: Gut für die Gesundheit!

Ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Krebs oder Diabetis: die Gesundheit der Menschen hängt stark von der sozialen Situation ab. 

Die Gründe dafür liegen beispielsweise begründet in der Wohnsituation, in der Vielfalt der sozialen Kontakte, in der Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe oder in der Ausstattung des eigenen Stadtviertels mit Parks und Möglichkeiten der Naherholung.

Diese breite Palette an Einflussfaktoren der Bevölkerung macht es notwendig, Gesundheit als politisches Querschnittsprojekt zu begreifen, das in ganz unterschiedlichen Politikfeldern berücksichtigt werden muss: natürlich in der Gesundheitspolitik, aber auch in der Stadtentwicklung, in der Schul- und Sportpolitik oder in der Arbeitsmarktpolitik.

„Health in All Policies“ / Gesundheit in allen Politikbereichen ist ein Querschnittskonzept, das dieses Problem anpacken möchte und das politische Entscheidungen danach bewertet, welche Auswirkungen sie für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger hat.

Es geht dann darum, Stadtviertel so zu entwickeln, dass sie zu mehr Bewegung anregen, Wohnquartiere so zu bauen, dass möglichst viel Kontakt zwischen den Nachbarn stattfinden kann, Schulen zu einem Ort des Lernens und den Lebens zu machen und Arbeitsplätze so zu gestalten, dass sie ein gesundes Arbeiten bis ins Rentenalter ermöglichen.

Für den Sammelband „Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ von Katharina Böhm, Stefan Bräunling, Raimund Geene und Heike Köckler durfte ich gemeinsam mit Uli Paetzel einen Aufsatz über den Emscher-Umbau verfassen als als Beispiel, wie Grüne Infrastruktur die öffentliche Gesundheit stärken kann. Dies geschieht im Kern über vier Mechanismen: 

  1. wird durch den Emscher-Umbau die hygienische Situation am Fluss verbessert. Die Gewässer können ihre Funktion als Frischluftschneisen oder ihr Verdunstungspotenzial zur Verbesserung des Mikroklimas erfüllen.
  2. lädt die neue Emscher zu einer aktiveren Freizeitgestaltung und zu mehr Bewegung ein.
  3. die Emscher wird so zu einem Ort des sozialen Austausches, der sich positiv auf die Lebenszufriendenheit auswirken kann und
  4. wird das Emscher-System durch seine Umgestaltung schlicht schöner. Der neue Anblick weckt bei den Anwohnern Assoziationen von Natur und Ursprünglichkeit. Studien zeigen, dass selbst die Erinnerung an ein solches Bild das Stressniveau und den Cortisolspiegel im Körper senken können.

Der Aufsatz liegt leider hinter einer Paywall, Springer-Literatur müsste aber immerhin bei den meisten Unis lizensiert sein.

http://link-springer-com-443.webvpn.fjmu.edu.cn/chapter/10.1007%2F978-3-658-30504-8_33

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Weitere Infos:

https://www.researchgate.net/publication/308992632_Welchen_Beitrag_leisten_urbane_Grunraume_Stadtgrun_und_Gewasser_Stadtblau_fur_eine_gesundheitsforderliche_Stadtentwicklung_Einblicke_in_die_Arbeit_der_Juniorforschungsgruppe_StadtLandschaft_Gesundheit

https://www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/PDFs/naturschutz/veranstaltungsdokumentation_gruene_infrastruktur.pdf

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